Sitten und Bräuche im
bäuerlichen Jahr
(von Annemarie Ebner)

[Tracht] [Kirchweihfest] [Allerheiligen] [Schweineschlachten] [Nikolaus] [Advent & Weihnacht] [Silvester] [Dreikönig]
[Lichtmeß] [Fasching] [Ostern] [Pfingsten] [Fronleichnam] [Maria Himmelfahrt]


Die Banater Schwaben achteten und bewahrten die Sitten und Bräuche, die Mundart und die Trachten ihrer Ahnen aus der alten Heimat und blieben auch der mitgebrachten Religion treu. Das Brauchtum wurde von Generation zu Generation weitergegeben und gepflegt. Da die Siedler aus den verschiedensten Gebieten kamen, gab es natürlich auch im Brauchtum Unterschiede und somit, wenn auch nur in geringem Maße, bei den Sitten und Bräuchen in den Dörfern im Banat. Nachfolgend möchte ich die Tracht und die wichtigsten Sitten und Bräuche von Knees im bäuerlichen Jahr vorstellen.

Die Tracht

Tracht
Tracht

 

Im "Heimathaus der Banater Schwaben" in Würzburg sind diese Trachtenpuppen in Kneeser Tracht ausgestellt. Angefertigt wurde die Tracht von Elfriede Metzger-Reichel. Die Fotos stammen von Katharina Tittel.

 

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Das Kirchweihfest (di Kerwei)

Das Kirchweihfest war wohl das größte und schönste Ereignis des Jahres in allen Banater Gemeinden und wurde als mehrtägiges Fest gefeiert. Die Kirchweih war ein echtes Volksfest, ein Fest des Dankes und der Freude. Es war gleichzeitig auch ein richtiges Sippentreffen, denn aus nah und fern strömten die Verwandten aber auch Bekannte und Freunde herbei, um zu feiern.
In Knees wurde die "Kerwei" am ersten Sonntag nach dem 15. Oktober gefeiert, weil die im Jahre 1823 erbaute Kirche unter den Schutz der heiligen Theresia  von Avila gestellt wurde.

Unmittelbar vor dem Fest standen eine Reihe von Vorbereitungen an. Die Straße, der Hof und der Garten sowie die Stallungen mußten aufgeräumt sein und wurden in Ordnung gebracht. Ebenso wurde jedes Haus auf Hochglanz gebracht, "es Gwand" hergerichtet und die Hausfrauen trafen Vorbereitungen für das reichliche und üppige Kirchweihessen.
Zur Kirchweih gehörten auch die Schaubudenbesitzer, die ihre Zelte in der Nähe der Kirche aufstellten, um den Besuchern des Festes Süßwaren, Spielzeug usw. anzubieten. Auch "die Englischreiderei" und "es Ringelspiel" fehlten zur Freude der Kinder und Jugendlichen nicht.

Im Mittelpunkt des Kirchweihfestes standen Jugendliche im Alter von ca.16 bis 20 Jahren, "Kerweibuwe" und "Kerweimädcher" genannt, sowie "de Kerweifatter", der den Festverlauf organisierte. Vier Wochen vor der "Kerwei" bewarb sich der "Kerweibu" um ein Mädchen und fragte es, ob es ihm den "Hut potzt".
Die Kirchweihbuben bestimmten den ersten und den zweiten Rechnungsführer. Die Rechnungsführer und ihre Mädchen, die Rechnungsführerinnen besorgten im Dorf den schönsten "Rosmrein". Dieser wurde bei der zweiten Rechnungsführerin mit bunten Seidenbändern geschmückt und in einen "Kittappel" gesteckt. Der buntgeschmückte Rosmarinstrauch wurde am Kirchweihsonntag nachmittags als "Vorstrauß" versteigert. Jeder Bursche brachte seinen Hut zu seinem "Kerweimädche" zum Schmücken. Auf der linken Seite des Hutes wurden Blumen angebracht und hinten zwei bunte, lange Bänder. Die Hüte der Rechnungsführer wurden rundherum mit Blumen geschmückt und hinten hingen ebenfalls zwei lange Bänder herunter.
Am Kirchweihsamstag nachmittags trafen sich die "Kerweibuwe" bei der ersten Rechnungsführerin. Hier wurde der geschmückte, acht bis zehn Meter lange "Kerweipaam" auf einen Wagen geladen und man ging mit dem "Kerweivatter" und in Begleitung der Musik durch das ganze Dorf. Jeder sollte Gelegenheit haben den "Kerweipaam" zu bewundern. Danach stellten die Kirchweibuben den Kirchweihbaum auf und die Kirchweihpaare tanzten um den Baum herum. Am Kirchweihsonntag morgens ging jeder "Kerweibu" mit einer Flasche Wein zu seinen Verwandten, Nachbarn und Bekannten, um sie zur "Kerwei" einzuladen. Er bot seinen Wein zum "Verkoschte" an und bot auch Lose an "fors Tuch on de Hut" zu gewinnen. Dafür bekam er reichlich Geldspenden. Mit Marschmusik zogen die Kirchweihbuben auch zu den Honoratioren des Dorfes und luden sie zum Fest ein. Später, am Vormittag, trafen sich alle Kirchweihpaare bei der ersten Rechnungsführerin, stellten sich paarweise auf und man marschierte mit Musikbegleitung in die Kirche zur heiligen Messe.

Kirchweihzug 1976
Voraus ging der erste Rechnungsführer mit der ersten Rechnungsführerin (sie trugen den Kirchweihstrauß), dann kam der zweite Rechnungsführer mit der zweiten Rechnungsführerin. Ihnen folgten paarweise die anderen Kirchweihpaare. Alle Kirchweihpaare hatten die schwäbische Tracht an. Die Mädchen trugen auf den vielen gestärkten, weißen Unterröcken einen schönen, in kleine Falten gelegten Oberrock, eine weiße Spitzenbluse, darauf ein schwarzes "Sammetleibche", eine schwarze Spitzenschürze, ein Schürzenband, ein seidenes Schultertuch mit Fransen und ein schwarzes, samtenes Halsband. Die Buben hatten ein weißes Hemd an, das typische schwarze "Leiwel" mit den runden glänzenden Silberknöpfen, eine schwarze Stiefelhose, schwarze Stiefel und auf dem Kopf trugen sie den geschmückten Kirchweihhut. Nach dem Gottesdienst ging man nach Hause zum Mittagessen mit den angereisten Verwandten und Bekannten und am frühen Nachmittag kam dann der Höhepunkt  des Festes. Alle Kirchweihpaare versammelten sich beim ersten Rechnungsführer. Von der Musik begleitet holten sie die zweite Rechnungsführerin und anschließend die erste Rechnungsführerin ab. Nun zog der Kirchweihzug zum Kirchweihbaum, der vor der alten Post beim Bingert aufgestellt war. Hier hatten sich bereits viele Dorfbewohner und Gäste versammelt, die neugierig auf die Versteigerung "vom Kerweistrauß“ warteten. Die Kirchweihpaare tanzten "es Kerweisteck" und stellten sich dann im Kreis um das Fass . Der erste Rechnungsführer stieg aufs Fass, begrüßte alle Anwesenden und hielt eine kurze Ansprache. Danach trug der zweite Rechnungsführer einen Kirchweihspruch in schwäbischer Mundart vor und forderte die Zuschauer und vor allem die "Kerweibuwe" auf, bei der nachfolgenden "Verletzeteerung" des Kirchweihstrausses mitzubieten.

„Do hett ich noch de Strauß en der Hand,
a Rosmrein met buntem Band.
De es was Wert, Buwe, loßt eich das saan,
de wär eme jedem Mädche sei Traam!
Musik!

Di scheene Bänner, rot, geel on bloo,
A jedes Mädche wär met tene froh.
Drom Buwe, loßt eich net lang bitte,
sonscht stoße di Mädcher eich glei en di Rippe.
Musik!

Mädcher, wer well dee scheene Strauß?
Dee brengt eich de beschte Geruch ens Haus!
Meer bluts Herz, wann ich dran denk,
dass nor ens von eich ne krit als Gschenk.
Musik!

Es letzeteere steht eme jede frei,
en der Gsellschaft zahlt mer zehn Bani de Lei.
Alli annre awer solle wesse,
dasse Lei for Lei zahle misse.
Musik!”

Kw-Fass


Versteigerung Kirchweihstrauß

 

Der Meistbietende (meist war es ein Kirchweihbub) erhielt den Kirchweihstrauß und war somit Vortänzer. Er schenkte den Strauß seinem Mädchen und machte es damit zur Vortänzerin.
Nun folgte der Ehrentanz für das Vortänzerpaar. Schon bald schloss sich das erste und zweite Rechnungsführerpaar an und dann tanzten alle Kirchweihpaare unter dem Kirchweihbaum ums Fass. "De Kerweivatter" war für die Verlosung von Tuch und Hut verantwortlich und sorgte mit seinen humoristischen und witzigen Sprüchen für ausgelassene Stimmung.

Nachdem Tuch und Hut den Gewinnern überreicht wurden, zog der Kirchweihzug mit Marschmusik "ens Wertshaus" und auch die Zuschauer und Tanzlustigen fanden sich dort ein. Im Saal war der erste Tanz immer den Kirchweihpaaren vorbehalten. Danach war Tanz für alle. Nach einer gewissen Zeit wurden die Tänze für den Vortänzer angekündigt. Man stellte einen Stuhl mit einem Teller mitten in den Saal und die beiden Rechnungsführer standen rechts und links neben dem Stuhl. Jeder Kirchweihbub drehte mit der Vortänzerin eine Runde und "Wertshaus", wo bei bester Stimmung bis Mitternacht ausgelassen getanzt wurde. Nun gingen die Kirchweihpaare mit einem Teil der Musik zur Vortänzerin zum Essen. Die im Saal zurückgebliebenen Musikanten spielten für die tanzlustigen Gäste weiter zum Tanz auf. So gegen zwei Uhr nachts kamen die Kirchweihpaare zurück und der Tanz dauerte noch bis morgens. Jetzt wurde die Vortänzerin mir der Musik "hemgspillt". Am Kirchweihmontag und –dienstag nachmittags war wieder Tanz, der bis in die frühen Morgenstunden dauerte.
Mittwoch vormittags wurde der Kirchweihbaum ausgegraben und an der gleichen Stelle eine Flasche Wein eingegraben. Man sagte: "di Kerwei geft begraab“ und die Musikkapelle spielte Trauerlieder. Die eingegrabene Flasche Wein verblieb an dieser Stelle bis der nächste Kirchweihbaum aufgestellt wurde. Am Sonntag nach der Kirchweih wurde die "Nohkerwei" gefeiert. Und wenn noch Geld übrig blieb, nachdem die Abrechnung gemacht war, organisierten die Kirchweihpaare "es Paprikaschbaal".

Kirchweih 1969
Verlosung von Tuch und Hut

Allerheiligen (Allerheiliche)

An Allerheiligen, wurde nachmittags in unserer Kirche eine Totenmesse gehalten. Danach ging eine Prozession von der Kirche zur Friedhofskapelle, wo man für alle Verstorbenen betete. Tags zuvor hatte man die Gräber hergerichtet und mit Herbstblumen (Chrysanthemen, Astern, Schleierkraut) geschmückt. An den Grabkreuzen hingen Kränze aus Wachsblumen.
Abends zündete man auf den Gräbern der Angehörigen und Verwandten Kerzen an. Es war immer wieder ergreifend und heimelig, wenn man abends den geschmückten Friedhof im mild schimmernden Kerzenschein sah.

Bauernregeln:  
Es de November hell on kloor, eses schlecht fors näkschti Johr.
Spoode Donner, frieje Hunger.

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Das Schweineschlachten (Di Schlacht)

Di Schlachtzeit hat meischtens Mitte November aangfang on hat bes em Feewer gedauert. Fascht jedi Familie hat di Schwein for schlachte selwer gemäscht. An der Schlacht waar di ganzi Familie beschäfticht on aach di Freint (Verwandte) han metgholf. Jede von de Freind waar for a bestimmti Aarweit zustännich on je mee Hän das waare, om so schneller es mer fertich gen.

Am Taach vor der Schlacht hat mer schon di Sache hergericht, di wo mer fors Schlachte gebraucht hat: di Schlachtmolder, di Worschtmolder, di Fleischmill, di Kessle, di Worschtschpretz, es Schaappreet (zum schaben der Därme), di groose Schlachtmessre, de Wetzschteen , die Schlachttische usw.

Am Schlachttaach es mer morjets schon ganz frieh ofgstann, es waar draus noch dongel, on hat’s Feier onner di Kessle met Wasser gemach. Wann di Schlachtre morjets komm sen, hat’s zum ofwärme (es waar jo schon kalt) a Krambambl (Schnaps mit Zucker gemischt und kurz angezündet) zu trenge gen.


Die Männer hans Schwein ausm Stall gholl on eene hats Schwein abgstoch. Es Blut hat mer enere Schessel ofgfang on meetm Kochleffel gerehrt, dasses net liwrich geft (dass es nicht gerinnt, stockt). Noo eses Schwein en der Molder abgepriet on gepotzt gen. Dann hat mer’s Schwein an de hinnerschte Fies ofkhong on auskholl.

schlacht1
Langsam han di Schlachtre Hunger kritt on’s hat gebackne Lewer zu esse gen. Noher hat mer’s Schwein fertranscheert, es Fleisch for de Worscht hergericht, di Schunge on de Seidespeck vorbereit, de Speck for di Griewe gschniet. Derweil han zwaa Weiwer di Därm gewesch, gepotzt on gschaabt.
Noo em Mettachesse (Hingelssopp met feine Nudle, Hingelsfleisch met Krombeere on Kriensoß) hat mer de Worscht gemach. Meischtens es Brootworscht, Lewerworscht, Schwaartelmaa on Bluutworscht gemach gen. De en Wirfle gschniedne Speck hat mer en de Khessel getoon on ganz schtaat (langsam) ausgeloss. Wann di Speckwirfle scheen knuschprich on goldgeel waare, hat mer se meter Griewepress ausge-presst. Das waare noo di Griewe. Es Fett es en di Fettschtennre gfillt gen.
For Nachtesse hats Brootworscht on Broode vom fresch gschlachtne Schwein gen on die Schlachtre han glei priefe kenne, ob de Worscht a richtich gwertzt waar.
schlacht2

Wann di Schlachtre net owacht gen han, es manchmol de Schwanz oder de Fuus vom Schwein von de Nochberschleit gstohl gen. Sie han de Fuus oder de Schwanz en a Schessel geleet on met Rosmrein ofgepotzt, on oowets, wann de Sautanz waar, sen di Nachbre komm on han a Ständche gsong:


„Meer han gheert, deer hat gschlacht
zwaa Schwein, di han siwe Fies nor ghatt,
de achte Fuus han mer heit mettach gholl,
es kann kenne saan, meer hanne gstohl.
Das mer de achte Fuus han gmaust,
scheen gepotzt wie a Kerweihstrauss,
sen nor schuld eier faule Schlachtersleit,
dene gheert gewikst on gegerbt di Heit.
Doo schaut eich nor onser Männer aan.
Was di for scheene Schnauzre han.
Hätter di eich for schlachte gholl,
noh het gewess eich kene neks gstohl.“

schlacht3

schlacht4


Schlachttag in Knees


Am Taach noo der Schlacht sen di Schunge on de Seideschpeck ene Holzschtenner engsalzt gen met fill Knowel traan. De Worscht es em Raafang ofm Podm geraacht gen. Noo vier bes seks Wuche het mer di Schunge on de Seideschpeck ausm Salz gholl, abgewesch on geraacht.

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Heilige Nikolaus (Nikoloo)

Nikolaus ist am 6. Dezember. „De Nikoloo“ kam aber schon am Vorabend mit seinen Gaben zu den Kindern. Meistens waren es Verwandte oder Bekannte die den Nikolaus machten. „De Nikoloo“ war mit einem „Bunda“ (Schaffellmantel) bekleidet, hatte eine „Pelzkapp ofm Kopp“ und einen langen weißen Bart. Auf dem Rücken trug der Nikolaus einen großen Sack, in welchem Nüsse, Äpfel und verschiedene Süßigkeiten für die braven Kinder waren. Für die schlimmen hatte er Ruten dabei. Oft wurde er auch vom „Krambus“ begleitet, der mit einer Kette rasselte und die unartigen Kinder in einen großen Sack stecken wollte. Manchmal kam der Nikolaus aber nicht ins Haus, sondern legte nur seine Gaben in die von den Kindern bereitgestellten frischgeputzten Schuhe oder Stiefel.

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Advent und Weihnachten

Die Adventszeit beginnt mit dem ersten Sonntag nach dem 26. November. Am 25. November, an Kathrein fand die letzte Tanzveranstaltung statt (bis zum Silvesterabend wurde nicht mehr öffentlich getanzt) und man sagte: "Kathrein sperrt die Geigen ein". Nun folgte die stillste Zeit des Jahres mit den Roratemessen. Im Advent schrieben die Kinder Briefe ans "Kreschkhentche" und teilten ihm darin mit, was sie sich für Weihnachten wünschen. Die Briefe wurden auf den Fenstersims gelegt und von den "Helfern" des Christkindes eingesammelt.
Weihnachten, auch Christfest genannt, ist das christliche Fest der Geburt Jesu. Am 24. Dezember, an Heiligabend, gingen Kinder nachmittags als "Kreschkhentche" im Dorf herum. Ein Kind war als Christkind angezogen, eines als Maria, ein anderes als Josef. Sie waren in Begleitung zweier Hirten und zweier Engel, zogen von Haus zu Haus und baten um Einlass. Wo ihnen dieser gewährt wurde, sagten sie dann weihnachtliche Verse auf und sangen Lieder. Dieser Brauch wurde bis ca. 1958 gepflegt. Frau Elisabeth Schönborn (geb. Krauser) erinnert sich an folgende Verse:


“Gelobt sei Jesus Christ, ein g’segnet Abend gib euch Gott,
ich bin ein ausgesandter Bot’
vom Himmelsthron bin ich gesandt,
der Erzengel Gabriel werd ich genannt.
Ich trag den Stab in meiner Hand,
den mir Gottes Sohn erkannt,
ich trag’ die Kron’ auf meinem Haupt,
die hat mir Gottes Sohn erlaubt.
Ach Engel, ach liebster Engel mein,
komm herein,
lass hören deine Stimme fein,
es wird dir schon erlaubet sein“.

 

Im Mittelpunkt des Weihnachtsfestes stand der Christbaum, meistens ein Fichtenbaum, der Heiligabend nachmittags in der Stube hinter verschlossener Tür aufgestellt und geschmückt wurde. An den Christbaum wurden bunte Kugeln, sonstige kleine Figuren, Äpfel und in "Staniolpapier" eingewickelter "Salonzucker“ gehängt. Und natürlich durften auch die Wachs- und Spritzkerzen nicht fehlen. Abends bestaunten dann die Kinder, natürlich auch die Erwachsenen, den Christbaum und freuten sich über die vom Christkind gebrachten Geschenke.
Um Mitternacht ging man in die "Mette". Doch davor sollte man eine Zwiebel in zwölf Teile schneiden und Salz darauf streuen (die zwölf Zwiebelstücke sollten die zwölf Monate darstellen). Wenn man von der Christmette zurückkam, konnte man am gezogenen Wasser erkennen, welche Monate naß werden würden und welche trocken sein würden. Auch sollte die Hausfrau vor dem Gang zur Mette die Wäsche von der Leine nehmen, denn wenn etwas hängen blieb sagte man: „Mer zieht’s Vich ab“(man zieht das Vieh ab).
Am 1. Weihnachtstag war morgens die Hirtenmesse, dann das Hochamt und nachmittags die Vesper. Nachmittags bekamen die Kinder auch ihr "Goodesach" von der "Good" on vom "Phatt". Der Christtag war ein Familienfesttag und am 2. Weihnachtstag machte man Besuche.
Zwischen Weihnachten und Neujahr sollte man kein Brot backen, denn so wie man den Teig in der "Backmolder zudeckte" würde man jemanden "en der Toodelaad zudecke".


Bauernregeln: 

Es em Dezember Sturm on Schnee, schreit de Bauer juhee.
 

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Silvester und Neujahr

Am letzten Tag im Jahr, an Silvester, fand abends in der Kirche eine Danksagung statt. Der Pfarrer meldete die Zahl der Geburten, der Trauungen und der Todesfälle. Am Abend gab es dann eine Tanzveranstaltung im "Wertshaus". Um Mitternacht spielte die Musikkapelle einen Marsch, es war der Abschied vom alten Jahr. Der Tanz dauerte bis in die Morgenstunden.
Begegnete man sich am Neujahrsmorgen auf der Straße, sagte man "Vill Gleck em neije Johr". Kinder und Erwachsene gingen zu Verwandten und Nachbarn das Neue Jahr anwünschen.
Die Kinder sagten meist folgende Verse:


„Ich winsch, ich winsch, ich wees net was, greift en de Sack on geft mer was.“

Andere Sprüche lauten:

 

„Ich winsch eich vill Gleck em neije Johr,
de Stall voll Herner,
de Podm voll Kerner,
de Keller voll Wein,
dass Hausfrau on Hausheer luschtich sein.“

„En eirem Gaarte steht a Paam,
doo sen vill Veegel traan,
ich wees net wie se heesche,
Stiglitz oder Finge,
wann der guude Raki hat,
losst mich dervon trenge.“

„Ich winsch eich vill Gleck em neije Johr,
lang leewe on gsond bleiwe.
A goldne Tisch
an jedem Ecke a gebackne Fisch,
a Faß voll Wein,            
de Stall voll Schwein,
a Peidl voll Geld,
on a gseentnes Feld.”

 

Auch die Zigeuner waren an diesem Tag im Dorf unterwegs zum Wünschen, wussten sie doch, dass sich der Sack, den sie am Rücken trugen, allmählich füllen würde.
An Silvester Abend sollte man keine Wäsche auf der Leine lassen, weil sonst jemand aus dem Haus sterben würde.
Wenn ein Mädchen wissen wollte, ob sie im kommenden Jahr heiratet, sollte sie an Silvester eine Schürze voll Maiskolben vom Speicher holen und abzählen. War’s eine Paarzahl, so heiratete sie. Ansonsten blieb sie noch ledig.
An Neujahr sollte man nur Schweinefleisch essen, denn die Schweine wühlen vorwärts und das bedeutet Glück. Hühnerfleisch sollte man an Neujahr keines verzehren, denn die Hühner scharren alles nach hinten und das würde bedeuten, dass man im neuen Jahr mit der ganzen Wirtschaft "zrokzus" geht.

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Dreikönig (Dreikeenich)

Am 6. Januar, dem Fest der Heiligen drei Könige oder auch Fest der Erscheinung des Herrn, fand eine Mess-feier statt, in der das von den Gläubigen mitgebrachte Brot, Salz und Kreide gesegnet wurde. Von diesem geweihten Brot und Salz bekam das Vieh zu fressen, um es vor Krankheit zu schützen. Es fand auch die Haussegnung statt, wofür in der Stube ein kleiner Altar aufgebaut wurde. Der Pfarrer ging mit den Ministranten jedes Haus aussegnen und schrieb mit geweihter Kreide K + M + B auf den Türrahmen jeder Haustür. Drei Buben angezogen als „Kaschper, Melcher on Paltzer“ gingen von Haus zu Haus und sangen folgende Verse:

„Heilich Dreikheenich meer komme too heer
Meer senge on trenge on zahle net geere.“
oder
„Ich sen a kleene Kheenich,
geft mer net so weenich,
loßt mich net so lang doo stehn,
ich muß om a Heische weider gen“.

Höhepunkt des Tages waren (besonders für die Kinder) die "Dreikeenichskrappe", die in keinem Haus fehlen durften. In diese waren drei Münzen eingebacken und diejenigen die beim Krapfenessen die Münzen fanden, waren dann die drei Könige. Die Spannung war groß und die Kinder vertilgten Unmengen von Krapfen, denn jeder wollte König werden. Meistens jedoch gab die Köchin den Kindern ein Zeichen in welchen Krapfen die Münzen zu finden waren.
An diesem Tag wurde gewöhnlich auch der Christbaum aus der Stube geräumt und die Christbaumsachen fürs nächste Jahr verstaut.  

Bauernregeln: 
Es de Jeener hell on weiß, kefte Sommer heiß.
Es an Dreikheenich hell on kloor, kefts vill Wein em neije Johr.

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Maria Lichtmeß - 2. Februar


Maria Lichtmeß, das Fest der Darstellung des Herrn, feiert man vierzig Tage nach Weihnachten. An diesem Tag wurden in der Messfeier die Kerzen, welche die Kirche im Laufe eines Jahres benötigte, gesegnet. Auch die Gläubigen brachten ihre Kerzen und Wachsstöcke in die Kirche zum Weihen. Diese "Lichtmeßkerze" wurden sorgfältig daheim aufbewahrt und man zündete sie bei Gewitter oder am Sterbebett eines Angehörigen an.Weil nun die Tage schon länger waren, sagte man: "Lichtmeß, spenne vergeß, bei Taach zu Nacht gess".
Früher war Lichtmeß ein sehr wichtiger Tag im bäuerlichen Jahr, denn nun endete das Dienstbotenjahr. Mägde, Knechte und Handwerksgesellen bekamen ihren Lohn, hatten einige Tage frei und konnten sich auch einen neuen Dienstherren suchen. Und für die Bauern war Lichtmeß das Zeichen, dass nach der langen Winterpause wieder die Arbeit draußen aufgenommen werden konnte.

Bauernregeln:
„Wann de Bär an Lichtmeß sei Schatte gsit, noo es noch sechs Wuche Wender. Wanns awer schneet, noo eses Frihjohr nimmi weit“.
„Weiht mer di Kerze em Schnee, noo weiht mer di Kätzcher em Klee“.
„Es em Feewer Schnee on Eis, gefts em Sommer heiß“.
„Well mer vill Erwuse esse, muß mer se em Feewer setze.”

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Fasching

Als Fasching bezeichnet man die Zeit zwischen Dreikönig und Aschermittwoch. Musik, Tanz, Fröhlichkeit und Verkleiden bestimmten den Fasching. Vor allem an „Letscht-Fasching“ (Faschingssonntag, Rosenmontag, Faschingsdienstag) ging es in unserem Ort lustig zu. Da wurde an allen drei Tagen im „Wertshaus“ ausgiebig getanzt und ausgelassen gefeiert. An Faschingsdienstag trafen sich die Verheirateten und organisierten einen Faschingszug mit „Hansl und Gretl“. Alle Beteiligten waren verkleidet und man zog mit Musik durchs ganze Dorf, wo die Zuschauer schon ungeduldig und neugierig warteten. So manch einer wurde dabei von den Verkleideten mit "Schuhwicks" im Gesicht geschwärzt. "Hansl und Gretl" waren Puppen in schwäbischer Tracht mit großen Strohhüten auf dem Kopf. Die Puppen waren an einem Wagenrad befestigt, das am unteren Ende einer Stange angebracht war, welche im „Schraagel“ eines Wagens hing. Wenn der Wagen fuhr, rollte das Wagenrad über den Boden und "Hansl und Gretl" tanzten herum. Dienstag abends war dann ein letztes Mal Tanz. Um Mitternacht spielten zwei Männer die Rolle des Pfarrers und verteilten Spaßes halber den anwesenden Faschingsnarren das Aschenkreuzchen. Damit war die närrische Zeit zu Ende und die Fastenzeit begann.

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Fastenzeit und Ostern (Faschtezeit on Oschtre)

Mit Aschermittwoch beginnt nach dem christlichen Glauben die Buß- und Fastenzeit, die vierzig Tage lang dauert und mit dem Karsamstag endet. An Aschermittwoch zeichnete der Pfarrer unseres Ortes den Gläubigen mit geweihter Asche das Aschenkreuzchen auf die Stirn. Es steht für symbolische Reinigung und zeigt die Bereitschaft zu Sühne und Umkehr. Die verwendete Asche stammt von den verbrannten Palmkätzchen des Vorjahres. Sie ist das Symbol für Vergänglichkeit.
Am schwarzen Sonntag ( der Sonntag vor Palmsonntag) wurden in der Kirche das Altarbild und die Kreuze mit schwarzen Tüchern verhüllt, die bis zur Auferstehung hängen blieben. Die letzte Woche vor Ostern ist die "Karwuch". Sie beginnt mit dem Palmsonntag, an welchem eine feierliche Palmprozession stattfand und in der Kirche die "Palmkätzcher" (Weidenruten mit Weidenkätzchen) gesegnet wurden. Diese geweihten Palmzweige nahm man mit nach Hause und steckte sie hinter ein Bild oder hinter den Spiegel in der Stube. Die gesegneten "Kätzchen" sollten vor Blitzschlag schützen und wenn man welche schluckte, bewahrten sie einem vor Krankheit. Von den Palmkätzchen brachte man auch einige Zweige auf die Gräber der Angehörigen.
Früher gab es ganz strenge Fastenregeln, die aber im Laufe der Zeit nicht mehr so genau eingehalten wurden. In der Karwoche hat man gefastet und überhaupt kein Fleisch gegessen. An Gründonnerstag aß man meistens Spinat mit Spiegeleiern, an Karfreitag sollte man überhaupt nichts zu sich nehmen (manchmal etwas "Patschkukrutz") und erst an Karsamstag, nach der Auferstehung, wenn die Sterne schon am Himmel standen, konnte man wieder Fleisch essen. Die Fastenzeit war damit zu Ende.
An Gründonnerstag wurde in der Kirche ein Hochamt gehalten und danach verstummten die Glocken unserer Kirche bis zur Auferstehung am Karsamstag. Man sagte, dass die Glocken nach Rom geflogen sind. In dieser Zeit wurde das Mittagläuten, das Gebetläuten morgens und abends durchs "Retsche" ersetzt. Die Schulbuben liefen mit Handratschen durch die Gassen, "retschten" und riefen:


„Meer retsche, meer retsche, de englische Gruß,
dass e jede katholische Christ beede muß“

oder

„Es ist Betglockenzeit,
alle Christen seid bereit,
fallt auf Eure Knie
und betet das Awe Marie“.


Auch zu den Gottesdiensten luden sie die Gläubigen mit folgendem Spruch ein:

„En di Kerch laad mer Eich en,
das soll de eerschte (zwete, dritte) Zaiche sen.“


An Karsamstag wurden die Buben fürs "Retsche" entlohnt und bekamen Ostereier, Eier oder einen kleinen Obulus. Bei meiner Oma gab´s auch immer ihren heißbegehrten "Kranzkuche". Mit einem Weidenkorb, der mit Stroh ausgelegt war, gingen die "Retschbuben" von Haus zu Haus "klecke" und sagten:


„Ihr Leit, Ihr Leit, Ihr liewe Leit,
es kommt die heilich Oschterzeit,
gibt uns Eier, gibt uns Geld,
gibt uns nur was Euch gefällt,
Nor ke Schlee, nor ke Schlee,
Denn die toon weh.
Es Lied es aus
Paar Dutzend Aajer oder Geld heraus.“

Die Buben bekamen daraufhin ihren Lohn und bedankten sich:   

„Wir danken für die Gaben,
die wir empfangen haben,
Gleck, Gleck ens Haus,
Ongleck zum Raafang naus.“


Die erhaltenen Gaben teilten die "Rätscher" unter sich auf.
An Karfreitag wurden alle Feldarbeiten gemieden. Nur leichtere Arbeiten in Haus und Hof wurden verrichtet. An Karsamstag abends wurde vor der Kirche das Feuer angezündet, dann folgte die Auferstehungsprozession und die Auferstehungsmesse.

An Ostersonntag war vormittags Messe in der Kirche. Die Kinder hatten schon am Vortag Nester aus Stroh oder Gras hergerichtet, damit "de Oschterhaas" die "Oschteraajer“ (die Eier wurden meist mit Zwiebelschalen gefärbt) hineinlegen konnte. Aber manchmal musste man auch die Eier suchen, denn der Osterhase kannte die ausgefallensten Verstecke. Die Kinder bekamen von den Paten auch ihr "Goodesach": Ostereier, Hasen aus Lebzelter und andere Süßigkeiten, manchmal auch Geld.
Am Weißen Sonntag, dem Sonntag nach Ostern war meistens Erstkommunion.


Bauernregeln:  

Eses an Kriendonnerschtach weiß, noo gefts em Sommer heiß.
Wanns an Karfreitach reent, noo eses ganze Johr gseent.

 

Ostereier

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Pfingsten (Phingschte)

Pfingsten wird vom griechischen Wort „pentakoste“ abgeleitet und bedeutet “fünfzig“. Pfingsten wird am fünfzigsten Tag nach Ostern (oder am siebenten Sonntag nach Ostern), zwischen dem 10. Mai und dem 13. Juni gefeiert und erinnert an die Herabkunft des heiligen Geistes. Man sagt auch Fest des Heiligen Geistes.
In Knees trafen sich an "Phingschte" morgens in der Dämmerung die jungen Burschen, schmückten ihre Pferde mit "Schneeballe" (weiße, kugelförmige Blüten des Schneeballstrauches) und ritten dann durchs ganze Dorf. Es war auch üblich, den Langschläfer der Familie ans Bettzeug anzunähen. Der Betroffene war dann "es Phingschtlämmche" und musste sich den ganzen Tag lang die Hänseleien der übrigen Hausbewohner anhören.

Bauernregeln:  
Es de Mai heiß on trocke, noo krit de Bauer kleene Brocke.
Es an Urban Sonneschein, gefts em Herbscht a kuude Wein.

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Fronleichnam (Froleichnam)

Der römisch-katholische Feiertag Fronleichnam, das Hochfest des Leibes Christi, wird am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert. Der Name Fronleichnam wird vom Althochdeutschen “fron-lichnam“ abgeleitet und bedeutet „des Herren Leib“. Wie in allen Banater Gemeinden erhielt dieser Festtag auch in Knees einen besonderen Charakter durch eine feierliche und prunkvolle Prozession, bei der Alt und Jung dabei waren. In Knees gab es vier gemauerte Kapellen: beim Wingel–Zuckerbäcker, beim Schummer Franz, beim Wambach Jakob und bei der Kirche neben dem Feuerwehrhaus. Am Vortag wurde die Kirche und die vier Kapellen mit Birkenzweigen und Blumen geschmückt . In den Kapellen hingen bunte Blumenkränzchen und Girlanden – es war ein richtiges Blütenmeer. Der Prozessionsweg war ebenfalls mit grünen Birkenzweigen eingesäumt und mit frischem Gras bestreut. In allen Fenstern der Häuser entlang des Prozessionsweges schimmerte Kerzenschein. Die Prozession wurde von einem Fahnen- und einem Kreuzträger angeführt. Danach folgten Schulkinder und Lehrer, der Katholische Jugendverein, die Marienmädchen in ihren weißen Kleidern, Vereine und Verbände mit ihren Fahnen, die Musikkapelle, die Ministranten und unter dem „Himmel“ (Baldachin) der Pfarrer, der hoch erhoben die Monstranz trug. Der Himmel wurde von vier Männern getragen. Danach folgte die restliche Gemeinde. Betend und singend zog man durch die festlich geschmückten Gassen von Kapelle zu Kapelle. An den Kapellen wurden die Evangelien gelesen, man sprach Fürbitten und der Pfarrer gab seinen Segen. Die Prozession endete mit einem feierlichen Gottesdienst an dem alle teilnahmen. Nach der Messe nahm jeder ein Büschel geweihtes Gras mit nach Hause und verfütterte es ans Vieh, damit es nicht krank werde. Die Blumenkränze aus den Kapellen nahm man ebenfalls mit nach Hause und hing sie in der Stube neben dem Kruzifix auf.

Bauernregeln:
Reents an Froleichnam, reents noch vier Wuche lang.
Reents an Pheder on Paul, gen di Äppel faul.

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Maria Himmelfahrt ( Wischtaach)

Die Marienverehrung ist ein fester Bestandteil des Glaubens der Banater Schwaben. Ihren Höhepunkt erreicht sie am 15. August, an Maria Himmelfahrt. Es ist das bedeutendste Marienfest des Jahres und man feiert die Aufnahme Mariens in den Himmel. In Knees wurde dieser Tag "Maria Wischtaach" genannt. Man brachte einen "Wisch" in die Kirche, welcher in einem feierlichen Gottesdienst geweiht wurde. In dem "Wisch" waren Blumen, "Fruchtähre, Hawerähre, a Zwiwel on a Trauweklotz" (es gab frühreifende Rebsorten, deren Trauben schon Mitte August genussreif waren z.B. Annatrauben). Es war somit auch eine Art Erntedank. Die gesegneten Sträuße wurden mit nach Hause genommen und auf dem Dachboden aufgehängt, sie sollten gegen Krankheit schützen und Blitzschlag abwehren. Anfang Oktober, wenn man das neue Saatgut vorbereitete, es wurde mit "Kharnitzel (Blaustein) on Khallich aangekelcht", mischte man ihm von den gesegneten Körnern bei. Dies sollte dazu beitragen, dass man im nächsten Jahr gut "fekst" (erntet).
Zwischen Maria Himmelfahrt und Maria Geburt (8. September) waren die beliebten Marienwallfahrten. Die Kneeser Gläubigen gingen zu dem bekannten Wallfahrtsort "Maria Radna".

Bauernregeln:
Macht de August heiß, brengt de Wender vill Eis.

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Von der Wiege bis zur Bahre
(von Annemarie Ebner geb. Bentz)


[Geburt und Taufe]
[Kinder- & Jugendjahre] [Vereine] [Verlobung & Hochzeit] [Spinnstube & Feierabend] [Begräbnis]

Auf die wichtigsten Abschnitte im Leben eines Menschen soll hier eingegangen werden.


Geburt und Taufe

Im Voksmund hieß es, dass die Kinder aus dem "Milchbronne" kommen und dass sie vom Storch gebracht werden. Die schwangeren Frauen mussten sich vor dem "Verschaue" hüten, denn nach dem Volksglauben bekam das Kind ein bestimmtes Mal, wenn die werdende Mutter sich vor Tieren, verunstalteten Menschen usw. erschreckte und dabei eine Stelle ihres Körpers berührte. Schwangere sollten auch nicht unter einer Wäscheleine durchgehen (die Nabelschnur hätte sich um das Ungeborene wickeln können) und ebenso sollten sie Feuer meiden, denn das Kind hätte ein Feuermal am Körper bekommen können oder einen roten Haarschopf.

Bis 1955 haben in Knees die Frauen ihre Kinder meist mit Unterstützung der Hebamme daheim zur Welt gebracht (ab 1956 gab es ein Geburtsheim). Die Neugeborenen wurden dann im Gemeindeamt und im Pfarramt angemeldet. Getauft wurde ca. sechs Wochen nach der Geburt. Früher hat man mit der Taufe meist nicht so lange gewartet. Oft wurde gleich nach der Geburt getauft und wenn ein Kind nicht gesund zur Welt kam, gab es auch Nottaufen, da die Ansicht vertreten wurde, daß ungetaufte Kinder nicht in den Himmel, sondern in den "Gänsehimmel" kommen.
Die ungetauften Kinder, meist während oder sofort nach der Geburt gestorben, wurden auf dem Friedhof streng getrennt von den getauft gestorbenen Kindern beerdigt. Dies geschah in aller Stille und meistens ohne kirchlichen Segen. Nach dem fest verankerten Volksglauben blieb ungetauften Kindern der Himmel verschlossen. Ihre Seelen fanden keinen Frieden und konnten die ewige Ruhe der getauften Kinder stören.


In Knees war es Brauch, daß jedes Kind eine Taufpatin "di Good" und einen Taufpaten "de Phatt" hatte, die aus der engsten "Freindschaft" (Verwandtschaft) der Eltern (manchmal auch aus dem Freundeskreis) ausgesucht wurden. Eine Patenschaft wurde nie ausgeschlagen. Es war eine Ehre Patin bzw. Pate zu werden und man war stolz darauf. Das Kind bekam von den Taufpaten zur Taufe Geschenke. Genauso an Nikoloo, zu Weihnachten, zu Ostern und zur Hochzeit. Früher bekamen die erstgeborenen Kinder meist den Vornamen der Mutter bzw. des Vaters, manchmal aber auch den der Patin bzw. des Paten. Erst nach dem zweiten Weltkrieg kam man davon ab. An der Taufe bekam man vom Pfarramt den Taufschein auf dem der Name des Täuflings, sein Geburtsdatum und die Namen der Paten vermerkt waren.
 „An der Taaf eses Kent ens Taafkesse gebonn gen on ofs Kesse es di Taafdeck geleet gen - beime Bu bloo on beime Mädche rosa. Dann sen di Good on de Phatt metm Kent, mete Eltre on meter Hewamin en di Kerch gang zur Taaf. Manchmol han de Phatt oder di Good aa di Blechmusik bestellt. Noo der Taaf waare vor der Kerch Zuschauer on di Kenner han geruf:

„sies Good, sauer Phatt falle em Kent di Zehwe ab“.


Dann han Phatt on Good Zocker (Bonbons) verteelt. Wannse von der Kerch hemkomm sen, hat die Good gsaat:

„a Heid hamer fortgetraa, a Christ breng mer zrock“.

Taufe
Taufe 1928; meine Mutter Barbara Bentz geb. Schultz als Taufpatin

Friejer han di Kenner bes zu eem Johr Mottermilch getronk. Noo sen se abgschpeent gen. Oft han di Großmottre de kleene Kenner a Schlutzer gemach. Das war Brootskorscht engewaaicht en Millich on Zocker. Das hat mer ene kleenes weises Tuch getoon, zammgebonn on em Kent ens Meilche gstoppt noo hats Kent dran gezutzelt. Wann di Kenner net han schloofe welle, hat mer se gschockelt on gsong:


„Schloof Kentche, schloof,
Dei Vatter hiet di Schoof,
Dei Motter hiet die Lämmercher
Mete roode Bännercher,
Di schwarze on di weise
Di solles Kent net beise
Schloof Kentche, schloof “.

Dases Kent lache soll, hat mers an dr Hand gekitzelt on gsaat:

„Maale, taale,
Kieche, Kälbche,
Killi, killi Gänsche“.

Oft hat mer di Kenner of de Schoos gholl on gsong:

„Hoppe, hoppe Rille,
De Bauer hat e Fille,
Fille kann net laafe,
Muss de Bauer`s verkaafe,
Laaft es awer weck,
noo hat de Bauer e Dreck“.

Wann eme Kent was wehgetoon hat, hat mers getreescht:

„Heele, Heele, Katzedreck,
Bes morje frie es alles weck“.     

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Kinder- und Jugendjahre

Früher wurden die Kinder schon sehr bald zur Sparsamkeit erzogen. Gekaufte Spielsachen gab es kaum. Dafür wollte oder konnte man oft nichts ausgeben. Deshalb fertigten sich die Kinder ihre Spielsachen selbst an.
Die Mädchen schneiderten aus Stoffresten Kleider für ihre Puppen. Diese wurden meistens von Kind zu Kind vererbt, waren daher oft auch schon "altersschwach" und wurden trotzdem wie ein Kleinod gehütet.
Aus trockenen Maisstengeln wurden "Stengelpuppe" in den verschiedensten Größen angefertigt und aus reifen Maiskolben "Kukrutzpuppe".
Die Buben bastelten sich Steckenpferdchen, brachten selbstgefertigte Windräder beim Laufen zum Drehen oder ließen bunte Drachen steigen.
"Friejer han di Kenner aa Pollerloch gschpillt. Sie han von Dreck a Kugel gemach, metm Fenger a Loch ningebohrt, a Stecke ningschtoch on noo hanse di Dreckkugel of di Erd geworf dases gepollert hat.
Di Buwe sen aa of di Huttwed Erdhaase fange gang. Sie han an di Lecher Schlepp (Fallen) ofgschtellt on en di Lecher Wasser ningschott. Noo sen di Erdhaase rauskhomm on di Buwe hanse gfang".
(verzählt vom Jochums Vedder Kloos = Nikolaus Jochum, 1973)
Im Gegensatz zu heute, waren die Kinder viel mehr im Freien und das bei jeder Witterung. Die Kleineren im Hof und die Größeren auf der Straße oder der Dorfwiese, wo sie mit den "Kumraade" herumtollten und spielten.
Beliebte Spiele waren: "Verstoppelches", "Fanges", "Paam wechsel dich", "Graawemännche", "Roode roode Fuchs geht rom", "Geewelpalle", Völkerball, "Plenni Kuh" usw.
Aber auch Gesellschaftspiele wie Mühle, Mensch ärgere dich nicht, diverse Kartenspiele, später auch "Römmy" und Schach kamen nicht zu kurz. Und im Winter konnte man Schlitten fahren, Schneemänner bauen oder auf dem zugefrorenen "Baare" "schleimre".

Viele Abzähl- und Kinderreime wurden von Generation zu Generation weitergegeben:

"Eene, kleene
Kersche Keere,
Eene, kleene Kleck,
Du bescht weck".

„Ich on du
Millersch Kuh,
Bäckersch Esel,
Das bescht du".

„Ens, zwaa, drei,
Hicke, hacke Hei,
Hicke, hacke Hawwerstroh
Männche hat sei Weib verloor,
Geht nes suche mete Hunne,
Meis kehre aus,
Ratze traan de Dreck naus,
Setzt es Männche ofm Dach,
Hat sich halwer  pocklich gelacht".
 
„Herrgottspippelche flieh fort,
Flieh em Herrgott sei Gaarte,
Breng meer a Blumm,
Breng deer a Blumm,
De annre Kenner gaar neks".

“Reene, reene Troppe,
Di Buuwe muss mr kloppe,
Di Mädcher muss mr treede,
Dasse leere beede".

„Rengel, Rengel Raaje,
Di Hingle leje di Aajer,
Leje se onner te Hollerbusch,
Mache alli kusch, kusch, kusch".

„Rengel, Rengel Raaje,
Di Katz fresst di Aajer,
De Hund fresst de Kuche,
Wann di Motter hemkommt, werd se schon fluche".

„Hans Worscht,
Fress di Korscht,
Loss di Breesm leije,
For di alde Weiwer".

“Mrei, Mrei,
Koch de Brei,
Kochne net  zu dick,
Das dei Mann net traan versteckt".

„Hans, Schlawans,
Schlaa de Botter en de Phans".

„Pheder on Paul,
di Eppel sen faul,
di Piere sen sies,
di Krodde han vier Fies".

"Sechs mol sechs es sechsondreißig,
es de Lehre noch so fleißig,             
sen die Schiller noch so domm,
hopst de Stecke ofm Pockel rom".

Auch zum Beten wurden die Kinder schon früh angehalten:                                                                                   

"Ich bin klein,
mein Herz ist rein,
darf niemand hinein,
als du mein liebes Jesulein".

"Jesulein komm,
mach mich fromm,
daß ich in den Himmel komm".

"Abends wenn ich schlafen geh',
vierzehn Englein mit mir gehn,
zwei zu Kopf, zwei zu Fuß,    
zwei zur rechten Hand,
zwei zur linken Hand,
zwei sollen mich decken,
zwei sollen mich wecken,
zwei sollen mich führen
in den himmlischen Paradiesgarten.
Amen".

Besondere Ereignisse in der Kindheit bzw. in der Jugend waren die Erstkommunion und die Firmung.

Erstkommunion hatten die Kinder in der Grundschule. Kommunion 1959

Erstkommunion 1959

Die Firmung war immer ein Fest, an dem die ganze Dorfgemeinschaft teilnahm. Vor dem 2. Weltkrieg fand die Firmung alle sieben Jahre statt.

Damals wurde der Bischof an der Dorfgrenze von jugendlichen Reitern des katholischen Jugendvereins empfangen und zur Kirche geleitet. In Knees war es üblich, daß die Mädchen eine Firmpatin und die Buben einen Firmpaten hatten. Die Firmlinge bekamen von der "Fermgood" bzw. vom "Fermphatt" ein Firmungsgeschenk -  die Mädchen meist eine Armbanduhr und die Buben eine "Sackuhr"(= Taschenuhr).

Firmung 1936
Firmung
Firmung 1936
Firmung 1936- Empfang des Bischofs

"Solang wie die Buwe on Mädcher en di School gang sen, waare se kleene Buwe on kleene Mädcher. Wannse mol fufzehn oder sechzehn Johr alt waare, han se zum Tanze gehen derfe on sen aa en di Reih gang. Jetzt waarese grosse Mädcher on grosse Buwe. Di Buwe han aa vill Buwesteckcher ofgfehrt. Manchmol hanse Hingle von annre Buwe gstohl on drvon Paprikasch gemach. Awer die Buwe han net gewesst, daß di Hingle von ihne waare on han sich’s gut schmecke geloss. Derzu hanse awer aa Wein gebraucht. Dee hanse aa "organiseert". Noo eses mol vorkomm, daß dee Bu von dem woo de Wein waar, gsaat hat: Na, dee Wein schmeckt jo graadsoo wie onsre.
Em Wender es Schliede gfahr gen. Noo han die Buwe vier Pheer (Pferde) vor de Schliede gspannt on han di Mädcher abgholl. Oft han di Buwe de Schliede romfalle geloss oder sen soo gfahr, daß di Mädcher ausm Schliede gfall sen.
Wann di Buwe enonzwanzich Johr alt waare, sen se engereckt. Manche sen metm Pheert of Temeschwar oder Arad for een Johr zur Artillerie, annre sen for zwaa bes drei Johr zum Militärdinscht. Wannse vom Militär zrokkomm sen, hanse ans Heirade gedenkt"(verzählt vom Schreeder Baatschi=Nikolaus Schröder).

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Vereine

Das geistige und kulturelle Leben wurde vor allem zwischen den beiden Weltkriegen duch die Vereine geprägt. Es gab etliche Vereine im Ort: Mädchengesangsverein, Männergesangsverein,  Kirchenchor, katholischer Mädchenkranz, katholischer Jugendverein, Musikkapellen, Bauernverein, Freiwillige Feuerwehr, Leichenbestattungsverein. Nachfolgend wird der Jugendverein und Mädchenkranz näher beschrieben.

Jugendverein und Mädchenkranz
Zwischen den beiden Weltkriegen wurden im Banat durch die Jugendbewegungen vernachlässigtes und fast vergessenes Volksgut wiederbelebt. Wie in vielen Banater Gemeinden gab es auch in Knees den „römisch-katholischen Jugendverein“ und den „römisch-katholischen Mädchenkranz“. Zielsetzung dieser konfessionell orientierten Vereine war in erster Linie die Volkstumspflege. Unter dem Vorsitz des Dorfgeistlichen und unter der Leitung von Lehrern/Lehrerinnen wurden kulturelle und volkstümliche Aktivitäten durchgeführt.


Jugendverein
Mädchenkranz
Röm. katholischer Jugendverein 1935
Röm. katholischer Mädchenkranz 1937

 

Mitglieder des Jugendvereins waren männliche Jugendliche bis zum 21. Lebensjahr. Man kam einmal in der Woche zusammen. Dabei wurde diskutiert, gelesen, gesungen, Theaterstücke und Volkstänze einstudiert. Parallel dazu gab es den Mädchenkranz für die Mädchen. Auch die Mitglieder dieses Vereins trafen sich wöchentlich. Man unterhielt sich, sang Lieder, machte Handarbeiten, probte Theaterstücke und Volkstänze. Theatervorführungen, Jugendfeste und andere kulturelle oder volkstümliche Veranstaltungen wurden gemeinsam durchgeführt. Auch bei kirchlichen Veranstaltungen (Firmung, Fronleichnamszug) waren beide Vereine vertreten. Jeder dieser Vereine hatte auch eine eigene Fahne, die man sehr achtete und auf die man stolz war. Die Mitglieder des Jugendvereins trugen rote Mützen und die Mädchen vom Mädchenkranz weisse, bestickte Kleider.

Die meisten dieser Vereine lösten sich während  oder nach dem 2. Weltkrieg auf; Kirchenchor, Musikkapellen und Leichenbestattungsverein hatten am längsten Bestand.

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Verlobung und Hochzeit

Ein großes Dorfereignis war die Hochzeit. Bei den Hochzeitsfeierlichkeiten gab es von Dorf zu Dorf oft wesentliche Unterschiede. Wie es in Knees bei einer Hochzeit zuging, erzählte mir die Itze Wes Kathi (Frau Katharina Röhrich).
Wies friejer waar meter Verlobung on Hochzeit soll ich der verzähle? Loss mich mol pisselche studeere wie das selmols waar. Asso das waar damols etwas annerscht wie heit. De Bu hatm Mädche a zeitlang hoffeert on wann sei Leit (Eltern) enverstann waare, esnes Mädche zu dem seine Leit verlange gang. Verzehn Teech späder waar danns Verspreches (Verlobung). Oft han aa di Eltre di Heirat ausgemach, schon wegerm Vermeeje. Doo hat Feld zu Feld komme misse on Geld zu Geld, on di Kenner sen iwerhaupt net gfroot gen.  Wanns Verspreches waar, noo han sich bei der Braut di Eltre, di Goode on Phatte getroff. Noo es aa di Stafeer (Aussteuer) ausgemach gen. A jede Vatter hat gsaat, was sei Kent kritt. De Vorbhalt  for di Eltre es aa ausgemach gen, weil die han jo ehre Vermeeje iwergen. Wannse sich net eenich gen sen, es di Heirat zrokgang. Ja, gell do horchscht, awer das es werklich so geween. Asso, wannse sich eenich gen sen, noh sen di Name vom Brautpaar em Gemeindehaus ausghengt gen on dreimol en der Kerch von der Kanzl verkindt gen. Es enlaade von de Hochzeitsgäscht waar de Brautleit ere Sach. Sie han das perseenlich gemach. Di Hochzeide waare meischtens gross, manchsmol aa hunnertfufzich bes zwaahunnert Leit.

Brautpaar
Brautpaar 1914, meine Großeltern Josef Bentz und Maria geb. Fuchs

So vier Teech vor der Hochzeit hat mer metm Zurichte aangfang. Noh helfe di Freind (=Verwandte) on anre gelaadne Gäscht on derbei geht’s luschtich zu. Di Owerkechin on noch zehn bes zwelf Weiwer backe es Brot, di Kipfle, di Mehlspeis on di Tortne. Ganz friejer war die Backerei vill eenfacher. Noh es norre Kuche geback gen: Hunichkuche, Schmeerkrappe, Nusskipfle, Nuss- on Maasstruddel on iwerhaupt ke Tortne. For di Hochzeit es aa gschlacht gen: Schwein, Kälwer, Hinggle, Gäns. On das alles es for di Hochzeit zugericht gen. Es Jongvolk hat sich oms Gscherr zammtraan gekimmert, om di Tische, Stiehl on Tischticher. Das hanse alles von de Verwande on Bekannde zammgetraa. Di jonge Leit han aa de Saal hergericht, en dem wo di Hochzeit gfeiert gen es. Di Tischticher sen met Rosmrein on Blumme ofgepotzt gen. Am Owed vor der Hochzeit sen di Lediche bei der Braut zammkomm. Sie han an Rosmreinzweige  Schlepp (Schleifen) von schmaale blooe on rosa Bänner, gebonn. Am Hochzeitstaach hat noo a jeede Gascht so a Rosmreinzweig aangspengelt kritt. Di Männer on Buwe met blooe on di Weiwer on Mädcher met rosane Schlepp. Ja, on noo war de Hochzeitstaach. Morjets es di Braut on de Breidigam en di Kerch gang for beichte on speise. Dann sen se zum Matrikelamt (Standesamt) gang on dann hem. Am Nomettach waar dann di Hochzeit. Die Gäscht, die was von der Braut engelaad waare, han sich em Haus von de Brauteltre versammelt, di was vom Breidigam engelaad waare, beim Breidigam seine Eltre. Die Jugend hat sich bei der Braut getroff on es noo meter Musik de Breidigam holle gang. Dann hanse die Braut abgholl. Alli Hochzeitsgäscht hans Brautpaar met Weihwasser gseent on noo han sich alli ofgstellt: voreraus di Kranzlmädcher, dann di Braut on de Brautfehrer, de Breidigam on di Breidigamfehrerin, di Beistend (das sen di Phatte) met ere Flasch Wein en der Hand (di Weinflasch es meteme Band on Rosmrein ofgepotzt gen). Noo es de Hochzeitszug met der Musik en di Kerch mascheert, wo’s Brautpaar vom Pharre getraut gen es. Noo der  Trauung es de Hochzeitszug ens Hochzeitshaus gang, wo alli Gescht  de fresch Verheiratne Gleck gewunsch han. Noher es em Wertshaus, wo de Saal schon hergericht waar, gfeiert gen. Mer hat gess, getronk on getanzt.  Als erschtes hat de Breidigam met der Braut de Brauttanz getanzt on jede, de woo de Breidigam abgeleest hat, hat Geld of a Teller geleet. Das Geld hat dann es Brautpaar kritt. Zwischendren han die Kenner aa Gedichter for di Brautleit ofgsaat.

Liewes Brautpaar!
Zu so ere Zeit soll mer jo heerisch rede,
doch sen mer Schwooweleit,
drom gratuleer ich dem Brautpaar
en onser Sproch, aa heit an der Hochzeit.

Ich sen noch jong, doch wees ich aa,
Was mer zu so ere Zeit saat.
Ich han mer Kuraasch gfasst,
drom seid a pissi ofgepasst.

Liewe Sepp, du bescht mei Freind,
du hascht ke schlechte Gschmack.
Es Kathi es soo zart on herzig,
du kaafscht der net di Katz em Sack!

Teer passt graatsoo zamm, wie zwaa Turteltauwe,
doch kann de Sepp net kruukse.
Er schaut sei Kathi jetz lieblich aan,
beim Tanze werd ne schon juukse.

Breidigam, deer well ich noch was saan:
too mer die Weib net onedich schlaan,
too mers net onedich sekeere,
too em liewer em Schloof di Micke wehre.

Wann dei Weib mol schenne toot,
muscht net glei verleere de Mut,
toscht net vill frooe ternoh,
denkschter wanns mied es, losts von selwer noh.

Liewi Braut, du muscht aa an etwas denge,
loss deim Mann de Zahm net so lang hänge,
sonscht treetne mol tertriwernaus,
noh haschts Gfrett em Haus,
das krischt so schnell nimme naus.
Tooscht du awer an mei Worte tenge,
noh wird dich di Heirat niemols kränge.

Breidigam, teer muss ich noch was saan:
die Weiwer sen gar schlau,
die toon schon iwrem koche
es Fleisch losesse von de Knoche.

Noh saan se iwer ehre Männer:
ei, wie die Fleischhackre spaare.
Doo gen se em neks wie lauder Haut on Knoche,
noh soll mer a guudi Sopp dervon koche.

Soh, Männer holt eich en Owacht,
weil soo han schon vill Weiwer gemach.
On zum Schluß winsch ich eich noch was derzu:
Heit eme Johr, a dicke, kleene Buu.

Owets während em Esse, es der Braut e Schuh gstohl gen on dann verletzeteert gen. A jeede hat biete derfe, awer meischtens hat de Phatt von der Braut de Schuh gsteigert. Es Geld han di Brautleit kritt. Om Metternacht sen aa di Verkleedne ens Wertshaus komm. Meischtens es bes morjets gfeiert gen on noh hat mer di Brautleit hemgspillt.    

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Spinnstube - Feierabend

Früher hatten die Leute auf dem Lande wenig Freizeit. In den Sommermonaten endete der Arbeitstag meist spät abends, aber wenn einem noch Zeit blieb, verbrachte man den wohlverdienten Feierabend im Gang vor dem Haus oder vor der Sommerküche. Der Gang war nach getaner Arbeit aber auch an Sonn- und Feiertagen Treffpunkt für die ganze Familie und oft gesellten sich die Nachbarn und die Verwandten zu einem Plausch dazu ( man sagte, man "geht maaje"). Man besprach dabei die Vorkommnisse des Tages, holte sich Rat, erzählte sich Neuigkeiten aus dem Dorf und tauschte Erfahrungen und Erlebnisse aus.
Sonntags versuchten die Männer beim "Kegelschiwle"(= Kegelscheiben) mit den schweren Holzkugeln ihr Glück und auch die Kegelbuben hatten beim Aufstellen der Kegeln ihren Zeitvertreib.
In den Wintermonaten machte man es sich abends in der warmen "Stub" gemütlich. Begeistert lauschten die Kinder mit offenem Mund den geheimnisvollen Geschichten, welche von der älteren Generation nur zu gerne erzählt wurden.
Viel Freude hatte man auch am gemeinsamen Singen und Musizieren und man verbrachte so manche Abende damit. Oft wurde sogar bei der Arbeit mit Begeisterung gesungen - vermutlich ging dann alles leichter und schneller "von der Hand".

"Friejer em Wender, wann owets di Aarweit gemach waar, es mer maaje gang, meischtens zu de Nochberschleit oder Verwande. Weils schon dongel waar, es mer met’r Lander gang.
Oft sen aa gleichaltriche Ehleit, vier bes fonf Paar en die Reih gang. An jeedem Owet bei ema anre Paar. Di Weiwer han Handarweit gemach, sie han gstreckt,  gsteckt, g’hägelt oder Woll gsponn on Lieder gsong.
Di Männer han Kaarte gschpillt. Kraagle, Fukse, Seksonsechzich, Enonzwanzich oder Taartle. Manchsmol han ti Männer for Gschpass de Spennfaadm abgeress. Dann han ti Weiwer sich geärchert on von voore aanfange kenne. An solche Owede war a genuch Zeit for verzähle – was alles so em Dorf passert es, Gschichte von Gspenster on Geistre on iwer friejer.
Aa di grooße Buwe on Mädcher sen owets en di Reih gang on han so manche Streich ausgheckt. Ja, ja, so waar das selmols vorm Kriech".
(Verzählt vom Schreeder Baatschi)

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Das Begräbnis - Di Leicht
(erzählt von meiner Oma Maria Bentz – 1972)

Von der Leicht soll ich verzähle? Na ja, das war soo:
Wann jemand krank waar, on en de Zieje gelee hat, es de Pharre geruf gen  for beichte on for di letschti Eelung. Wann eene gstorb es, hat mer di an Lichtmess geweihti Kerz aangeprennt on gebeet. Mer hat glei di Uhr aankall on di Spigle met schwarze Ticher zughongk. Dann hat mer de Toode gewesch on met seim beschte Gwand aangezoo. Ach ja, ganz wichtich waar, daß de Toode aa Schuh aanghat hat. Ich han emmer gut owacht gen bei onsre Freint (Verwandte), daß die Schuh aanghat han.
De Toode es dann en di Toodelaad (der Sarg wurde mit einem bestickten, weißen feinen Leinentuch ausgekleidet) geleet gen on en di zammgfaltne Hen hat ne a Rosekranz kritt. De Toode waar meteme Iwertoon (Tüll der fein bestickt war) zugedeckt. Die Toode sen derhem meischtens en der Stub ofgebaart gen. Newer der Laad am Koppend rechts on lenks hat a Kerzestender met Kerze gstann. Am Fußend waar a e Kerzestender metere Kerz on ere Schaal met Weihwasser dren. En der Schaal waare Rosmreinzweige. Met denne hat mer de Toode aangspretzt  wammer zum beede komm es.
Wann jemand gstorb es, hat de Messner Zaiche gen.  Zuerscht hat’s  Ziegleckelche gelaut on dann alle Glocke. Wann’s drei Gsetzer gelaut hat, waar a Mann gstorb,  wann’s zwaa Gsetzer gelaut hat, waar’s e Weib on bei eem Gsetz war’s a Kent. Bes de Toode begraab gen es, es jede Taach beim Gebetlaude morjets on oweds, on beim Mettachlaude met alle Glocke ausgelaut gen.

Totenwagen
Totenwagen

An der Kerch on am Haus en dem wo de Toode ofgabaart war, es a schwarze Fahne nausghonk gen. On om die  Eigangstier rom waar a schwarze, goldfarwiche besteckte Vorhang met Franzle. Di Toode sen eene oder zwaa Teech ofgebaart gen. Di Leit ausm Dorf sen zum beede komm. Oweds han di Verwandte, Nochberschleit on guude Bekannte Toodewacht ghall. An der Toodewacht es de Leit  Kipfle on Raki aangetraa gen. Nachts om zweelf hat mer de Rosekranz gebeet, noo es di Toodewacht zu End geween.
An dem Taach wo di Leicht waar, han di Verwande de Toode nochmol met Weihwasser gspretzt on noo es di Toodelaad zugenaagelt gen on metm Fußend voreraus von vier Männer en de Hoff getraa on of a Tragbahr gstellt gen.  Di Toodelaad es von Verwande oder von de Toodegräwer getraa gen. Di Toodelaad waar schwarz (bei Kenner weiß) on ofm Deckel waar met goldne Buchstawe de Name ons Alter vom Toode gstann. Em Hof waare schon di Leit versammelt, di was meter Leicht gehn on aa de Pharre mete Ministrande on de Sengmädcher waar schon doo. De Pharre hat gepredicht, de Toode gseent on ti Sengmädcher han Trauerlieder gsong. Manchmol hat aa di Blechmusik gspillt, awer nor, wann se bstellt gen es. Dann es di Toodelaad of de Toodewaan ghob gen, on di Kränz sen an de Toodewaan khong gen. Awer wann vill Kränz waare, sen se aa von de Leit getraa gen. Noo han sich di Leit for di Leicht ofgstellt.

Leichenzug
Leichenzug

Ganz voore sen zwaa Ministrande  (meischtens Verwande vom Toode) gang, eene metm Kerchekreiz on de anre metm Holzkreiz, wo em Toode sei Name drofgstann hat. Das Kreiz es dann ofs Graab gstellt gen. Hinner de zwaa Ministrande es die Musik gang, dann di Chormädcher on de Pharre mete Ministrande. Dann es de Toodewaan meter Toodelaad  gfolcht. Rechts on lenks newrem Toodewaan sen di Toodegräwer gang. Hinerm Toodewaan sen zuerscht di Verwande vom Gstorbne gang, (ganz streng nach dem Verwandschaftsgrad), dann di anre Leit. De Trauerzug es mette en der Gass gang. Wann de Trauerzug ausm Haus gang es, han alle Glocke gelaut bes mer ofm Kerchhoff waar. Ofm Weech zum Kerchhoff han abwechselnd di Weiwer gebeet, di Sengmädcher gsong on ti Blechmusik hat Trauermärsch gspillt.

Ofm Kerchhoff han di Toodegräwer di Laad ans Grab getraa. De Pharre hat gepredicht, de Toode nochmol gseent  on noo es di Laad ens Graab nunner geloss gen. Di Sengmädcher han noch e Abschiedslied gsong. Dann hat de Pharre metere kleeni Schipp dreimol Erd ens Grab of di Laad geworf. Noo han di Freind (Verwandte) vom Verstorbne met Weihwasser ens Grab gschpretzt on aa dreimol Erd ningeworf. Das gleichi han dann di anre Leit gemach. Manchsmol hat mer Kränz ens Graab getonn on no eses Grab von de Toodegräwer zugschippt gen. Di Verwande han gewaart beses Grab fertig waar. Ofs Grab sen dann di  reschtliche Kränz geleet gen.            
An der Leicht waare di Leit alli schwarz aangezoo on di Weiwer han schwarze Koppticher ofghatt. Di nächschte Verwande han a schwarzes Band an der Kleidung getraa (als Zeichen der Trauer). For di Eltre on Gschwister het mer a Johr getrauert, for Großeltre on anre Verwandte seks Monat oder seks Wuche. On en dere Zeit hat mer emmer schwarzes oder dongles Gwand aangezoh.
Seks Wuche noh der Leicht het mer es Sekswucherekwem leese geloss on noh eme Johr es Johresrekwem. Wann ene sich selwer’s Leewe gholl hat, te es net metm Parre begraab gen. Awer jetzt han ich was vergess. Beim Rekwem hat voore en der Kerch di Tumba gstann met Kränz trof.
Ja, so waar das an der Leicht. Jetz sen ich schon fascht achzich Johr alt on waar schon of so vill Leichte. Scheen eses net, wenn jemande sterbt, awer es es halt so.
Mei Schweermotter, di Bentzegroosi, es 91 Johr alt gen on  hat gsaat dases Lewe so korz es, wie eemol iwwer de Hoff gang.

Ganz wichtig war für Unsere Vorfahren ein "schöner Tod" - damit war eine gute Vorbereitung auf das Jenseits gemeint. Der Emfpang der Sterbesakramente war dabei ebenso wichtig wie "sei Sach" geregelt und geordnet zurückzulassen und ohne Zwist und Feindschaft diese Welt zu verlassen.
Man achtete ganz genau auf bestimmte Zeichen aus der Natur, die den Tod ankündigten: das Geschrei von Krähen, die über Haus und Hof flogen, der Ruf des Käuzchens "Komm mit", das andauernde Gejaule eines Hundes, die ungewöhnliche Ruhe des Viehs, das Stehenbleiben der Wanduhr, das Herabfallen eines Bildes oder des Kreuzes von der Wand... Sie alle galten als Vorankünder eines Sterbefalls.
Somit spielte der Aberglaube auch bei den Ereignissen um den Tod eine große Rolle und versetzte die Menschen in Angst und Schrecken.

In Knees gab es auch einen Leichenbestattungsverein, dem fast alle katholischen deutschen Bewohner  angehörten. Dem Verein gehörte der Totenwagen, die Uniformen der Totengräber, die Uniform des Kutschers (die Uniformen waren schwarz mit goldfarbenen Kordeln verziert) und das schwarze Geschirr für die Pferde.

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Stand 07.12.2011